Wie kann erneuerbarer Strom aus unseren Anlagen stärker direkt den Menschen in unserer Region zugutekommen? Mit dieser Frage haben wir uns 2026 intensiv beschäftigt. Im Mittelpunkt stand dabei das Modell der Stromcommunity, über die Erzeuger und Verbraucher erneuerbaren Strom digital miteinander teilen können.

Unsere Aktivitäten 2026

Am 02.04.2026 haben wir am Impulsvortrag „Energy Sharing in der Praxis der BEGs“ der EEG Hellweg-Sauerland eG in Olfen teilgenommen. Am 27.07.2026 folgte eine Mitgliederinformation per Videokonferenz mit WeShareEnergy. Daran nahmen 8 potenzielle Interessentinnen und Interessenten teil.

Zwei rechtliche Wege

Energy Sharing basiert inzwischen auf dem europäischen Rechtsrahmen der EU-Richtlinie 2024/1711 und der deutschen Regelung § 42c EnWG. Beide schaffen den Rahmen für die gemeinsame Nutzung erneuerbarer Energie. Die technische und energiewirtschaftliche Abwicklung erfolgt über Messung, Zuordnung und Abrechnung der erzeugten und verbrauchten Strommengen. Die Bundesnetzagentur hat hierzu am 07.07.2026 Hinweise zur praktischen Umsetzung veröffentlicht.

So funktioniert eine Stromcommunity

Eine Stromcommunity verbindet Erzeuger, Verbraucher und Prosumer. Überschüssiger Strom einer Photovoltaik- oder anderen Erneuerbare-Energien-Anlage wird innerhalb der Community angeboten. Verbraucher können diesen Strom beziehen. Das öffentliche Stromnetz bleibt dabei das Transportnetz; die Zuordnung erfolgt digital.

Erzeuger erhalten eine Vergütung für ihren Community-Strom.
Verbraucher beziehen verfügbaren Community-Strom zu einem zwischen den Beteiligten festgelegten Preis.
Prosumer erzeugen selbst Strom und können gleichzeitig Strom aus der Community beziehen.
WeShareEnergy übernimmt unter anderem technische, energiewirtschaftliche und abrechnungsbezogene Dienstleistungen.

Die Technik: Was wird benötigt?

Voraussetzung ist ein moderner digitaler oder intelligenter Stromzähler. Alte Ferraris-Zähler mit Drehscheibe sind für die Teilnahme nicht geeignet.

Zusätzlich wird ein Lesekopf benötigt. Er wird auf die optische Schnittstelle des Stromzählers – das sogenannte „Zählerauge“ – aufgesetzt und liest die aktuellen Verbrauchs- bzw. Einspeisedaten aus. Diese Daten werden laufend an die Stromcommunity übertragen und bilden die Grundlage für die zeitgenaue Zuordnung.

Beim WSE-Lesekopf werden eine Steckdose in der Nähe des Zählers und eine stabile WLAN-Verbindung benötigt. Der Lesekopf kostet derzeit 89 € beim Kauf oder 3,90 € monatlich bei Miete.

Fehlt am Zähler eine Steckdose oder ist dort kein WLAN verfügbar, kann alternativ der IOmeter eingesetzt werden. Er arbeitet batteriebetrieben und nutzt das WLAN im Haushalt.

Eine stabile Datenverbindung ist wichtig, damit Verbrauch und Erzeugung laufend erfasst und zugeordnet werden können.

Kosten auf einen Blick

Erzeuger bis 100 kWp: ab 1,90 €/Monat
Lesekopf: 89 € Kauf oder 3,90 €/Monat Miete
Community-Strom für Verbraucher: derzeit ca. 8–10 ct/kWh zuzüglich regionaler Netzentgelte, Steuern und Abgaben.

Was kommt in Oer-Erkenschwick noch dazu?

Im Netzgebiet der Westnetz GmbH beträgt das Netzentgelt für Haushaltskunden in der Niederspannung 2026 9,53 ct/kWh netto bzw. 11,34 ct/kWh brutto.

Hinzu kommen unter anderem:

KWKG-Umlage: 0,446 ct/kWh netto
§-19-StromNEV-Umlage: 1,559 ct/kWh netto
Offshore-Netzumlage: 0,941 ct/kWh netto
Konzessionsabgabe Oer-Erkenschwick: 1,59 ct/kWh netto
Stromsteuer: 2,05 ct/kWh

Auf die steuerpflichtigen Bestandteile kommen 19 % Umsatzsteuer.

Energy Sharing im Vergleich

Unter Berücksichtigung der regionalen Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben liegt der über WeShareEnergy angebotene Community-Strom nach den zugrunde gelegten Konditionen rund 1–2 ct/kWh unter dem klassischen lokalen Ökostromtarif. Entscheidend ist dabei der tatsächlich verfügbare Anteil an Community-Strom; fehlende Mengen werden durch 100 % Ökostrom von WeShareEnergy ergänzt.

Wie geht es weiter?

Aufgrund der derzeit relativ geringen Preisdifferenz werden wir das Thema Energy Sharing weiterhin im Auge behalten und die weitere Marktentwicklung beobachten. Insbesondere die Entwicklung der Kosten, der technischen Voraussetzungen, der verfügbaren Anbieter und der rechtlichen Rahmenbedingungen werden wir verfolgen.

Energy Sharing bleibt damit für uns ein interessantes Zukunftsthema – insbesondere mit Blick auf die regionale Nutzung und Vermarktung erneuerbarer Energie.